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17. Preisverleihung für die Freiheit und Zukunft der Medien

tl_files/usercontent/Galerien/Exkursionen/2017/22375421_10208659982896241_522966492_o.jpgAm vergangenen Freitag, den 06. Oktober 2017 durften wir auf Einladung unseres Förderers der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig einem besonderen Moment beiwohnen: Zum 17. Mal fand die Verleihung des „Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien“ statt. Die Medienstiftung hat sich mit der Auslobung des Preises der Verteidigung von Meinungs- und Pressefreiheit verschrieben und ehrt solche Menschen, die kritisch sind, nachbohren und hinterfragen, ihre Stimme erheben und sie in Wort und Schrift zum Ausdruck bringen - und oftmals selbst einen hohen Preis dafür zahlen müssen. 

>>Kritischer Journalismus ist die Waffe gegen Unterdrückung und Repressalien

Genau dies wiederfuhr Asli Erdogan, türkische Physikerin, Schriftstellerin und Journalistin. Als Fürsprecherin und Unterstützerin der kurdischen Minderheit in der Türkei, begann sie in den neunziger Jahren mit der kritischen Auseinandersetzung der herrschenden Regierung und gesellschaftlichen Strukturen in der Türkei. Neben der Veröffentlichung von Romanen schrieb Erdogan Kolumnen in der linksliberalen türkischen Zeitung Radikal, prangerte dort staatliche Repressionen gegen Kurden an, berichtete über Gewalt gegen Frauen und Folter in türkischen Gefängnissen. Im Zuge der Verhaftungswelle von Journalisten und Mitarbeitern der pro-kurdischen Zeitung Özgür Gündem im August 2016 wurde die Autorin inhaftiert und für fünf Monate in Untersuchungshaft gehalten. Nach ihrem Freispruch im Dezember letzten Jahres konnte sie das Land dennoch auf Grund einer Ausreisesperre nicht verlassen, die erst diesen September aufgehoben wurde. 

tl_files/usercontent/Galerien/Exkursionen/2017/22343965_10208659982856240_1406410688_o.jpgFür ihren Mut zur Wahrheit wurde Erdogan mit dem Preis der Medienstiftung ausgezeichnet. Burkhardt Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig betonte in seiner Ansprache: „Sie beweisen: Das freie Wort ist kein eingeschmuggeltes westliches Kulturgut. Es ist ein planetares Grundrecht freier Menschen, unabhängig von Kultur, Religion oder Geldbeutel.“

>>Im Kampf für die Freiheit der Worte

Erdogan konnte den Preis selbst entgegen nehmen. Ein Privileg, das dem zweiten Preisträger verwehrt blieb: Deniz Yücel, deutsch-türkischer Journalist und „Welt“-Korrespondent, sitzt seit nun mehr 34 Wochen in türkischer Untersuchungshaft, ohne Anklage, ohne Prozess. Man wirft ihm unter anderem Terrorpropaganda vor, weil er ein Interview mit dem PKK-Anführer Cemil Bayik geführt hatte. Mit ihm haben die staatlichen Repressionen, insbesondere gegen Journalisten und die kritische Presse in der Türkei, in Deutschland ein Gesicht bekommen. Mit #FreeDeniz solidarisieren sich seitdem Leute aus aller Welt, um auf die Ungerechtigkeiten und Missstände der türkischen Justiz und Regierung aufmerksam zu machen.


tl_files/usercontent/Galerien/Exkursionen/2017/22292439_10208659982936242_536327415_o.jpgSeine Schwester Ilkay Yücel nimmt für ihn den Preis entgegen und liest einen Brief von ihm vor: „Ganz gleich, wie lange sich das hier noch hinzieht, und ganz gleich, welche Fantasieerzeugnisse die Staatsanwaltschaft irgendwann in etwas niederschreiben wird, das sie sich ‚Anklageschrift‘ zu nennen trauen wird – ich weiß, warum ich hier bin: Nicht nur, weil ich meinen Beruf als Journalist ausgeübt habe. Sondern weil ich meine, mir einbilden zu können, dass ich meine Sache recht ordentlich gemacht habe.“ Er werte seine „Gefangennahme als Auszeichnung, wenngleich als eine, auf die ich lieber verzichtet hätte.“ Der Leipziger Preis sei ihm im Gefängnis ein wichtiges Symbol gewesen: „Natürlich danke ich Ihnen herzlich dafür, dass Sie Ihren Beitrag dazu leisten, dass ich nicht in dieser Symphonie aus Stahl, Beton und Draht vergessen werde.“

Text und Bilder: Gina Cimiotti (3. Fachsemester Master Communication Management)

 

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