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Von weiblichen CEOs, Diversität und Kulturwandel - zu Besuch beim Female Future Force Day in Berlin

Die PR wird vorrangig von Frauen dominiert. Etwa 70 Prozent beträgt der Anteil beim Berufseinstieg, so ein aktueller Artikel im PR-Journal. Schaut man allerdings auf die Führungsriege, so sieht es dünn aus. Für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der PR und der strategischen Kommunikation setzt sich der LPRS e.V. schon länger ein, insbesondere bei der Besetzung der Veranstaltungen, wie dem PR-Salon oder dem WISSENschafftPRAXIS. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema bot kürzlich eine Einladung nach Berlin.


Es ist Samstagmorgen, knapp 4.000 Frauen haben sich im Berliner Funkhaus zusammengefunden und sind damit der Einladung von Edition F gefolgt: zum Female Future Force Day, der an diesem Tag unter #fffday die Runde in den sozialen Netzwerken zieht. Es ist das erste Event, das von den Gründerinnen des Onlinemagazins Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert, auf die Beine gestellt wurde. Mit Edition F und der Female Future Force haben sie es sich zur Aufgabe gemacht Frauen eine Bühne zu geben, sie zu vernetzen und ihnen Unterstützung auf ihrem Karriereweg und persönlichen Entwicklung zu geben.

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Die Keynote zur Eröffnung hält Rose McGowan, Vorreiterin der #Metoo-Bewegung. Als eine der ersten hat sie sich öffentlich über die Vorwürfe an Harvey Weinstein geäußert und vielen Frauen damit eine Stimme gegeben. In ihrer Rede appelliert sie daran, sich für die eigenen Werte und Ideale einzusetzen, mutig zu sein und auch unbequeme Wege zu gehen: “Being brave does not mean you are not scared. It just means you are doing it anyway.” Vor allem aber sei es wichtig aufeinander zu zugehen, ins Gespräch zu kommen und sich zu unterstützen.


Im Anschluss beginnen die Workshops, die Vorträge und Panels. Das Programm ist vielfältig und reicht von den Themenbereichen Personal Growth und Kreativität bis zu Karriereplanung und Entrepreneurship. Und der Andrang ist so groß, dass man vor den Sälen und Räumen Schlange steht und hofft noch einen Platz zu bekommen.


tl_files/usercontent/Galerien/Nachrichten/FFFDay%202018/FFFDay_3.jpgSo auch bei der Panel-Diskussion über die Rolle der Frau in der Medienwelt, auf dem Anja Reschke, Eva Schulz, Ruth Moschner, Paula Lambert und Melodie Michelberger über Macht und Chancen ihrer Branche sprechen. Es wird schnell deutlich, wie stark der Berufsalltag von Moderatorinnen noch von Stereotypen hinsichtlich Kleidung und Konfektionsgröße bestimmt wird. Die ständige Frage nach “was kann ich mir an Ecken und Kanten überhaupt erlauben und gefährde ich andernfalls meine Karriere” sei weiterhin präsent, so ARD-Moderatorin Reschke. Diese Strukturen aufzubrechen und so mit an einem Wandel von bestehenden Rollenbildern zu arbeiten, sei deshalb täglich notwendig. Die Panelteilnehmerinnen sind sich darüber hinaus einig, dass es auch mehr Offenheit und Interesse von Frauen für politische Themen brauche, um insbesondere die Potenziale, die sich durch die neue digitale Welt bieten, nutzen zu können und diese mitzugestalten.


Ein Highlight des Tages ist die Debatte um die weibliche Besetzung von Vorstandsposten. Die Frage “Wieso es immer noch keine Frau als DAX-30-CEO gibt - und was sich ändern muss”, stellen sich Heidi Stopper, Thomas Sattelberger, Simone Menne und Katarina Barley. Die Frage nach dem “Wie?” führt schnell zur Diskussion um eine Quote. Um Frauen Chancen auf Führungspositionen zu geben, brauche es einen Kulturwandel, so Sattelberger. Eine reine Symbolpolitik und guter Wille reiche nicht aus, es brauche eine Talententwicklung, die auf Diversität beruhe und bottom-up den Wandel voranbringe. Die berechtigte Frage, die Bundesjustizministerin Barley darauf stellt, zeigt die Henne-Ei-Problematik auf. Wie soll es zu einem Umdenken kommen, wenn es keine Veränderung auf den hohen Positionen gebe, die dies vorleben? Auf einen Kulturwandel zu hoffen, der zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern bei der Besetzung von Spitzenpositionen führe, würde zu lange dauern. Eine Quote könne hier als erste Hebelwirkung verstanden werden, um den notwendigen Wandel in Gang zu bringen.

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À prospos Kulturwandel: Viele namhafte Unternehmen unterstützen das Event von Edition F als Sponsoren und Partner. So sorgen Foodtrucks von Kaufland für das leibliche Wohl, am Stand von L.O.V. und EOS kann man das Make Up auffrischen lassen oder sich bei adidas die neue “adidas x girls are awesome”-Kollektion anschauen. Female Empowerment ist angesagt, aber was tun die  Partner-Unternehmen selbst für den eigenen Kulturwandel? Einige haben Botschafter auf die Bühnen entsandt, um davon erzählen zu lassen. Andere - so lässt es anmuten - bleiben dabei, den Rahmen des Events für sich zu nutzen, coole Goodies zu verteilen und so ein bisschen etwas vom “Girl-Power-Trend” mitzunehmen. Dass ein solches Engagement allerdings schnell unglaubwürdig wirken kann, wenn die Botschaft nicht mit der Unternehmensrealität und Kernwerten übereinstimmt, sollte klar sein.


Ein Patentrezept für die auf den Bühnen diskutierten Fragen und Herausforderungen findet man an diesem Tag nicht, aber das ist genau so wie in den anderen Vorträgen, Interviews und Workshops sicherlich nicht das Ziel. Allerdings ist es ein Anstoß: mutig zu sein, den eigenen Karriere- und Lebensweg selbstbestimmt zu gestalten.

 

Text & Bilder: Gina Cimiotti

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