. .

Exkursion Frankfurt am Main 2015

Tag I

Tag eins führte uns gleich in Deutschlands höchsten Wolkenkratzer, den Commerzbank-Tower. Wie die Unternehmenskommunikation der zweitgrößten Bank Deutschlands organisatorisch aufgestellt ist, stellte Alexander Cordes, Leiter der Abteilung Media Relations Finanzen und Konzern, vor. Zwei Tage nach Veröffentlichung der erfolgreichen Halbjahresbilanz machte Cordes deutlich: Schon allein die Organisationsform eines Unternehmens beeinflusst die Laune eines Pressesprechers. „Allerdings: Kommunizieren müssen wir in guten wie in schlechten Zeiten – und beides kann Spaß machen, wenn es uns gelingt.“ Der digitale Wandel und die Frage, was er für Banken bedeutet, ist das Gesprächsthema der Stadt. „Wenn aber aus solchen Gesprächsthemen neue Abteilungen entstehen, dann gibt es an der Wichtigkeit von Social Media für Banken wirklich keinen Zweifel mehr“, sagte Susann Biecker – sie leitet die New Media-Kommunikation der Bank und verriet uns unter anderem, mit welchen Tools Twitter und Facebook es ihr leicht machen, die gewünschte Zielgruppe treffsicher zu erreichen. Die Kommunikationshoheit indes sichere sich die Bank überwiegend mit dem eigenen Blog ab, betonte Biecker, die damit auch den Algorithmen von Facebook und Twitter den Kampf ansagt.  

Am Nachmittag mussten wir dann selbst den Kampf antreten: gegeneinander und um die Gunst unserer Förderer in der Kommunikationsagentur JP|KOM. Dort erhielten wir einen tiefen Einblick in die Herausforderungen der Change Kommunikation, denen wir uns in einem Praxisbeispiel in Kleingruppen selbst stellen sollten. In drei Gruppen wurden drei Konzepte für die Interne Kommunikation eines in die Emerging Markets expandierenden (fiktiven) Kosmetikherstellers aus Europa entwickelt.

Tag II

„Ich sag's immer, Frankfurt ist ein Dorf, Gott sei Dank haben wir den Flughafen", sagt Ilse Schreiber. Die 74-jährige Wurstverkäuferin ist Mittagspausen-Koryphäe der Mainhattan-Banker und kulinarischer Kult einer ganzen Stadt. Neben zahlreichen anderen Lokalpromis hat auch Ilse Schreiber ihr Gesicht und ein Statement für eine Kommunikationskampagne des Frankfurter Flughafens hergegeben, die Christopher Holschier, Sprecher Finanzen und Zahlen, Strategische Themen und stellvertretender Pressesprecher der Fraport AG, den Mitgliedern des LPRS e.V.  an Tag zwei ihrer Hessen-Tour vorstellte. Weil der Flughafen Fach-, Wirtschafts-, Lokal- und Boulevardjournalisten gleichermaßen anziehe, sei die – bunte, wenngleich klassische – Pressearbeit einzigartig, befand Holschier. Auch die Investor Relations des Fraport stellten eine Besonderheit dar: Die AG ist nur zum Teil in Privatbesitz, das Land Hessen hält 32 Prozent, die Frankfurter Stadtwerke halten 20 Prozent der Anteile. „Damit ist unsere Kommunikation immer auch hoch politisch“, sagt Holschier. 

Welche Bedeutung haben lokale Wirtschaftsseiten in Tageszeitungen für die global operierende Deutsche Bank? Deutschlands größte Bank macht seit Jahren mit Skandalen rund um Jain, Kirch und den Libor auf sich aufmerksam. Dass sie aber auch Themen bereithält, die für Unternehmer und Privatkunden von Metropolen bis in 100-Seelen-Dörfer relevant sind, versuchen die Regional-Pressesprecher der Bank immer wieder in den sogenannten Jahrespressegesprächen unter Beweis zu stellen. Das genaue Konzept stellten uns Hanswolf Hohn und Christine Lorch von der Deutschen Bank den am Nachmittag gemeinsam mit ihrem Kommunikationsberater Stephan Hoursch, Mitgründer der Klenk & Hoursch AG, vor. Inwieweit die gute Zusammenarbeit mit Lokaljournalisten den Ruf der Bank trotz internationaler Probleme und Gerichtsprozesse stützen kann, stand im Mittelpunkt der Abschlussdiskussion zwischen den Aktiven Mitgliedern des LPRS e.V. und den Kommunikationsverantwortlichen der Bank.  

Tag III

Der dritte Tag der LPRS>>Exkursion startete bei der Kommunikationsagentur A&B One, ganz in der Nähe des Mainufers. Nach einem Einblick in die Aufgabenfelder und vor allem in das Selbstverständnis der Agentur als „Community der Spezialisten“ vom geschäftsführenden Gesellschafter Hartwin Möhrle. A&B One setzt auf vernetzte Kommunikationsmodelle, z.B. werden intern die Kompetenzen der Mitarbeiter projektbezogen, dynamisch und flexibel eingesetzt. Dieses Verständnis übertrug Hartwin Möhrle anschließend auf das Aufgabengebiet der Krisenkommunikation: PR-Krisenmanager sollten sich in ihren Möglichkeiten nicht selbst zu stark einschränken, sondern beispielsweise auch Aspekte der Compliance als Teil des präventiven Risikomanagements mit einbeziehen. Danach gab es Einblicke in konkrete Projekte der Agentur von PR-Beraterin Bianca Schick und Seniorberater Sebastian Marx. So begleitet A&B One beispielsweise im Saarland kommunikativ den Bau eines Windparks, dem die Anwohner zuvor kritisch bis ablehnend gegenüberstanden. Die verfolgte Strategie bestand darin, die Energieinvestitionen in einen größeren Zusammenhang einzubetten und als Leuchtturmprojekt zu positionieren, mit dem ein wichtiger Beitrag zur Energiewende geschaffen werden kann. 

Als letzte Station stand die Kommunikationsberatung Lautenbach Sass auf dem Plan. Hierbei haben uns die LPRS>>Alumni Jan-Helge Weimann, Maren Christin Müller und Katharina Simon sowie Junior-Consultant Jens Cornelißen anhand von aktuellen Projekten die analytische und konzeptionelle Arbeit im Bereich der kommunikativen Unternehmensberatung veranschaulicht. Bei Lautenbach Sass steht die strategische Arbeit im Mittelpunkt. Zu den vorgestellten Projekten zählte z.B. die Implementierung eines Steuerungssystems für das Unternehmen Bosch, mit dem entlang der Unternehmensziele konkrete Kommunikationsziele abgeleitet werden können. Die Consultants haben dazu entlang unterschiedlicher strategischer Instrumente ein Stufenmodell entwickelt, in dem den jeweiligen Wirkungsstufen Performance, Awareness, Attitude, Action und Value konkrete Ziele für die Unternehmenskommunikation zugeordnet werden. Darüber hinaus präsentierten uns die Berater Inhalte aus Strategieworkshops, in denen Konzepte zur Entwicklung eines Corporate-Story-Ansatzes sowie einer Markenpersönlichkeit für eine Holding im Fokus standen.

Zurück

Förderer