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10. LPRS>>Forum "Es war einmal ein Gatekeeper? - Corporate Publishing in der digitalen Welt"

Eckdaten

Was: 10. LPRS>>Forum
Wann: 8. Mai 2014, Einlass: 18:00 Uhr, Beginn: 18:45 Uhr
Wo: Felsenkeller Leipzig, Karl-Heine-Straße 32, 04229 Leipzig
Kontakt: forum@lprs.de
 

"Es war einmal ein Gatekeeper? – Corporate Publishing in der digitalen Welt"

Wer für seine Organisation Begeisterung schaffen will, muss emotionale Geschichten dort erzählen, wo die Zielgruppe ist! Die digitale Welt scheint perfekt dazu geeignet, die eigenen Stories vorbei an Journalisten direkt beim zentralen Stakeholder zu platzieren.  Und die Welt der Bits und Bytes dreht sich weiter: Apps, Blogs und Co. entwickeln sich rasant und treiben den digitalen Hyperwettbewerb um die Aufmerksamkeit an. Zugleich unterliegt Content einer unkontrollierbaren Eigendynamik.

Was versprechen sich die Organisationen konkret vom digitalen Corporate Publishing und welchen Herausforderungen begegnen sie? Ist die Symbiose aus Glaubwürdigkeit und Steuerung eigener Themen sogar nur eine Utopie? Und was bedeutet dies für das Verhältnis zwischen PR und Journalismus? Diese Fragen wurden auf dem 10. LPRS>>Forum am 08. Mai 2015 im Felsenkeller Leipzig diskutiert.

Rückblick

Bedeutung und Herausforderungen des digitalen Corporate Publishings

Bei der Diskussion zum Thema „Es war einmal ein Gatekeeper? – Corporate Publishing in der digitalen Welt“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen im Bereich des Corporate Publishings auf die Veränderungen durch die Digitalisierung reagieren müssen und welche Auswirkung dies auf das Verhältnis von PR und Journalismus hat.

Peter Diekmann, Manager Digitale Kommunikationsplattformen bei der Bertelsmann Stiftung, stellte dazu in seiner einleitenden Keynote die These auf, dass die Digitalisierung von Unternehmensseite aus ein neues Denken erfordere, das sich in einem kulturellen Wandel niederschlagen müsse. Bestehende Konzepte zum Corporate Publishing lediglich aus dem analogen Bereich ins Digitale zu übertragen, greife dabei zu kurz. Stattdessen könnten Kommunikationsverantwortliche besonders im Bereich des digitalen Storytellings viel von Online-Journalisten lernen.

Aufgrund der kurzfristigen Absage im Zuge des GDL-Streiks von Ulrike Teschke, Geschäftsführerin TEMPUS CORPORATE GmbH und Kaufmännische Leiterin ZEIT Verlag, wurde zum ersten Mal bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des LPRS>>Forums ein offener Stuhl eingesetzt, den Gäste aus dem Publikum nutzen konnten, um sich mit Fragen oder eigenen Meinungen in die Diskussion mit einzubringen.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion hob Ralf-Dieter Brunowsky hervor, dass viele Unternehmen noch nicht genau verstanden hätten, was Digitalisierung kommunikativ bedeute, und verwies dabei darauf, dass es in vielen Organisationen immer noch an strategischen Ausrichtungen für digitale Kommunikation fehle. Dieter Georg Herbst ging ebenfalls auf die seiner Meinung nach oftmals zu kurz greifenden digitalen Kommunikationsstrategien ein. Viele Unternehmen setzten die Nutzung von Social Media damit gleich, mit Kunden unbedingt in einen digitalen Dialog zu kommen. Dieser sei allerdings nur dann möglich, wenn auch die zugrundeliegende Marke das notwendige Potenzial biete. Bei Produkten wie Dosentomaten oder Schmelzkäse sei etwa kaum zu erwarten, dass sie für weitreichenden Gesprächsstoff sorgen können.

Veränderung der Rollen von Journalisten und PR-Professionals

Einigkeit unter den Diskutanten herrschte darüber, dass Unternehmen auch bei einer digitalen Revolution ihrer Kommunikationsstrategie nicht auf Journalisten verzichten können. Stattdessen werde der Journalismus weiterhin ein zentrales Instrument der PR-Arbeit bleiben.
Dennoch müssten alle Beteiligten verstehen und darauf reagieren, dass sich klassische Kommunikationsrollen immer weiter auflösen. In Zeiten in denen die Grenzen zwischen innen und außen immer mehr verschwimmen, verändern sich auch die Rollen von Unternehmen, Agenturen und Journalisten, sowie ihre Position zueinander. So werde etwa die Gatekeeper-Funktion Informationen zu filtern online längst durch Algorithmen von Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen übernommen und nicht mehr von Journalisten. Tot sei der Journalismus trotzdem nicht, in Zeiten weiter zunehmender Informationsüberflutung, in denen Unternehmen zudem immer stärker selbst zu Kommunikatoren werden, sei es allerdings auch hier an der Zeit, Begrifflichkeiten neu zu definieren: so sahen die Diskussionsteilnehmer den Journalismus in einer veränderten Gatekeeper-Rolle, in der es nicht mehr darum geht, Informationen auszuwählen, sondern Toröffner zu sein und so den Zugang zu unterschiedlichen Zielgruppen zu ermöglichen. Aus der PR-Perspektive komme dem Journalismus damit eine Entlastungsfunktion zu, die von Unternehmensseite aus entsprechend eingesetzt werden müsse.

Unternehmen können von Online-Journalisten lernen

Auf der anderen Seite könnten Unternehmen im Bereich erfolgreicher digitaler Kommunikation viel von Online-Journalisten lernen. So wird es für Organisationen nicht ausreichen, bestehende Konzepte des Corporate Publishings schlicht auf Social Media zu übertragen. Stattdessen müssen sie sich, um erfolgreich in den Informationswettbewerb einzugreifen, den veränderten Rezeptionsbedingungen anpassen. Und dies gelinge, so der Tenor in der Runde, am besten mit relevanten Inhalten, die den Kunden dort abholen, wo er sich aufhält. So sei beispielsweise modernes digitales Storytelling ein zentrales Element jeder erfolgreichen digitalen Corporate-Publishing-Strategie, um Kunden in eine Welt einzuführen, die Unternehmen eigenverantwortlich und vielseitig bespielen können.

Text: Sebastian Jansen

Das waren unsere Podiumsgäste:

 

Rückblick auf zehn Jahre LPRS>>Forum

Beim anschließenden Abendprogramm stand vor allem der Rückblick auf mittlerweile zehn Jahre LPRS>>Forum im Zentrum. Unter musikalischer Begleitung der Leipziger Band „Eddas Garden“ wurden dem Publikum dabei anschaulich die Entwicklung des Veranstaltungsformats sowie die Höhepunkte von einem Jahrzehnt LPRS>>Forum präsentiert. Im Anschluss gab es für alle Gäste und Mitglieder des LPRS e.V. noch die Gelegenheit, den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen, die Themen des Abends weiter zu diskutieren und mit alten Bekannten und neuen Kontakten ins Gespräch zu kommen.

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