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"Unterschätzte Volkskrankheit, geringes PR-Budget, viele Aufgaben – und trotzdem der beste Job der Welt"

Wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe als Non-Profit Organisation trotz begrenzter Ressourcen, und einer großen Fülle von Aufgaben eine erfolgreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit leistet, erklärte Heike Friedewald am 8. Mai 2018 bei der ersten Ausgabe von WISSENschafftPRAXIS des LPRS e.V. im Sommersemester 2018. Dafür gab sie eingangs für ein besseres Verständnis einen kurzen Überblick über die Volkskrankheit Depression. Diese ist in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer eine unterschätzte Erkrankung, obwohl jährlich circa 5,3 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression erkranken.

Den Kern der Arbeit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe bilden Forschungsaktivitäten und die Aufklärungsarbeit über Depression. Ziel der 2008 gegründeten Stiftung ist es, einen wesentlichen Beitrag zur besseren Versorgung depressiv erkrankter Menschen und zur Prävention von Suiziden zu leisten. Die daraus abgeleiteten PR-Ziele orientieren sich an den gängigen Stufenmodellen der Kommunikationswirkung und reichen von Bekanntheitszielen („Depression ist als Erkrankung bekannt.“) bis hin zu Wertschöpfungszielen („Die Zahl der Suizide in Deutschland sinkt.“).

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>> Medienarbeit als oberste Priorität

Die Deutsche Depressionshilfe profitiert seit einigen Jahren von dem steigenden Interesse der Medien an dem  Thema Depression. Daher hat die Medienarbeit stets oberste Priorität. „Die Journalisten rufen nicht wieder an, wenn wir ihnen keinen guten Service bieten“, erklärte Heike Friedewald. Es gibt so viele Anfragen, dass die Arbeit vor allem reaktiv erfolgt. Ein breites Spektrum – von Wissenschaftsmagazinen über Frauenzeitschriften bis hin zu Nachrichtensendungen des Privatfernsehens – recherchiert Fakten, Zahlen und fragt Experten und Betroffene als Interviewpartner an. Aktiv wird die Sensibilisierung der Medien vorangetrieben, um den Werther-Effekt zu vermeiden. Unter anderem gibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe im Fall von Suiziden prominenter Personen wie Linkin Park-Sänger Chester Bennington Presseinformationen für eine adäquate Berichterstattung raus und bietet darüber hinaus einen Workshops und einen Medienguide zur verantwortungsvollen Berichterstattung über Suizide an. 

>> Wege und Mittel abseits von Strategie und Taktik

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Die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist geprägt durch das Tagesgeschäft und geringe Ressourcen – Budget und Zeit sind in der spendenfinanzierten Organisation knapp . . Unsere Öffentlichkeitsarbeit ist nicht zu vergleichen mit der PR von großen Konzernen. Wir können keine riesigen durchdeklinierten Kampagnen mit großem Budget planen – auch wenn das ähnlich wie bei der Aids-Kampagne eigentlich wichtig wäre.  Wir müssen uns andere Möglichkeiten suchen, die Öffentlichkeit dennoch mit unserem Thema zu erreichen. Doch wie heißt es so schön?! Not macht erfinderisch! Zeitschriften und Fernsehsender unterstützen uns manchmal: Ein TV-Spot der Stiftung Deutsche Depressionshilfe wird immer dann kostenfrei gezeigt, wenn die Werbezeit nicht verkauft werden konnte. Dasselbe gilt für freie Anzeigenflächen in Zeitschriften. Prominente Fürsprecher wie Harald Schmidt und Eckart von Hirschhausen, die Haltung zeigen, sind ein Glücksgriff und geben der Thematik mehr Leichtigkeit. Auch die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen, vor allem auch in den regionalen Bündnissen, trägt zum Erfolg bei. „Wir sind schlichtweg dankbar für jede Sichtbarkeit.“, fasste Heike Friedewald zusammen.

>> Sinn und Erfüllung 

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Es sei klar, dass nicht jeder für diesen Job gemacht ist, der sich mit so einem sensiblen und schwierigen Thema wie der Depression beschäftigt. Heike Friedewald hat jedoch ihre Berufung gefunden, als sie vor vier Jahren die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung übernahm. Sie erlebt ihre Arbeit als hilfreich und nützlich für die Allgemeinheit und wisse jeden Tag, warum sie zur Arbeit geht. Die Begeisterung für ihre Arbeit ist ihr anzusehen und war für alle Anwesenden deutlich spürbar. „Auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind, ich habe den tollsten Job der Welt“ – beendete Heike Friedewald ihren Vortrag. 

Der LPRS – Leipziger Public Relations Studenten e.V. bedankt sich bei Frau Heike Friedewald für den aufschlussreichen und ehrlichen Einblick in ihre Arbeit.

Text: Rebecca Hadler (Communication Management)
Fotos: Josephine Kreutzer (Communication Management)

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