PR Salon mit Gauly Advisors: 5 Tipps zu Führung und Kommunikation

Was macht eigentlich gute Beratung aus? Welche Rolle spielt Führung? Welche Eigenschaften und Skills braucht ein Kommunikationsberater in der Praxis? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gab Helge Hoffmeister, Managing Partner bei GAULY ADVISORS, beim ersten PR-Salon des Jahres am 16. Januar. Nach seinem Medienmanagement-Studium arbeitete Hoffmeister mehr als 10 Jahre in der Unternehmenskommunikation bei Bertelsmann. 2012 ging er zu Gauly Advisors. Beim Kamingespräch in der Villa Ida gab er uns LPRS-Mitgliedern Tipps zu Themen wie Leadership, Reputationsmanagement und eine erfolgreiche Karriere in der Kommunikation

 

 

  • Führung und Kommunikation bedingen einander.

 

Führung und Kommunikation im Unternehmen gehören für Hoffmeister zusammen: Wer gut führen will, müsse gut kommunizieren können, und Kommunikation als strategische Managementaufgabe werde für Führungskräfte immer wichtiger. Im operativen Management genauso wie in der strategischen Führung sei eine gut geplante und exzellent umgesetzte Kommunikation essentiell, um Wert für interne wie externe Stakeholder zu schaffen.

 

 

  • Sorge dafür, dass deine Mitarbeiter zufrieden sind.

 

Reputation wird von innen nach außen aufgebaut. Für Hoffmeister ist daher Mitarbeiterzufriedenheit ein Schlüssel für Identifikation, Motivation und schlussendlich Unternehmenserfolg durch erfolgreiche Strategieumsetzung. Eine werteorientierte Unternehmenskultur mit einer guten dialogorientierten internen Kommunikation bildeten hierfür den Rahmen. Flache Hierarchien, partnerschaftlicher Umgang und Delegation von Verantwortung seien ebenfalls wichtige Faktoren. Tendenziell seien diesbzgl. kleine Einheiten im Vorteil. Auch wenn es in einer Kommunikationsberatung nicht immer möglich ist, jedem Mitarbeiter eine flexible Arbeitszeitgestaltung zu bieten, sei es wichtig, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und Freiräume zu schaffen. Denn, so Hoffmeister: Arbeitszeit ist Lebenszeit, und private Zufriedenheit sei ein wichtiger Schlüssel für Leistungsfähigkeit im Job.

 

 

  • Analytisches Denken, Kreativität und Medienkontakte sind das Erfolgsrezept.

 

Dass die Statistik in der Wissenschaft unabdingbar ist, steht außer Frage. Aber sind Regressionsanalyse & Co. auch in der Praxis wichtig? Hoffmeister outet sich als Fan empirischer Sozialforschung und beantwortet diese Frage mit einem klaren „Ja“. Auch das Verfassen von Kernbotschaften folge beispielsweise denselben Gütekriterien wie die Erstellung eines guten Kategoriensystems für eine Inhaltsanalyse. Konzeptionelles und analytisches Denken würden in der Befassung mit qualitativen und quantitativen Erhebungs- und Analyseverfahren besonders geschult. Dies seien wesentliche Voraussetzungen für gute Beratung. Aber auch ein hohes Maß an Kreativität sei erforderlich, um wirkungsvolle Strategien erfolgreich zu entwickeln und umzusetzen, genauso wie ein verlässliches Journalistennetzwerk und die Fähigkeit, integer und vertrauensvoll mit Medien zusammenzuarbeiten.

 

 

  • Digital in der Denke, analog in den Werten.

 

Die Digitalisierung wälzt die gesamte Unternehmenskommunikation um, was Arbeitsweisen, Aufgaben und Instrumente angeht. Auch die Kommunikationsberatung verändere sich im Zuge der digitalen Transformation, so Hoffmeister. Neben dem Einsatz von digitalen Analysetools oder der Berücksichtigung digitaler Plattformen und neuer Kanäle für die Kommunikation sei es zum Beispiel auch wichtig, dass eine Beratung agiles Projektmanagement oder Moderationstechniken zur Co-Kreation von Inhalten beherrsche. Aber im Kern einer erfolgreichen Beratungsbeziehung stehe auch in Zukunft ein sehr analoger Wert: Vertrauen.

 

 

  • Sich selbst nicht so wichtig nehmen.

 

Um auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf zu bewahren, bedarf es einiger Berufserfahrung. Die hat Hoffmeister nach fast 20 Jahren in Unternehmen und Beratung. Doch was ist eigentlich ausschlaggebend, um nach einer Konzerntätigkeit auch als Berater erfolgreich zu sein? Seine Meinung dazu teilt Hoffmeister ganz offen: Mut und Demut seien gleichermaßen wichtig. Mut, unternehmerische Risiken einzugehen und etwas Neues zu wagen, denn Gauly Advisors befand sich mit erst wenigen Mitarbeitern noch in der Gründungsphase, als Hoffmeister 2012 von Bertelsmann dazustieß. Mut auch, Führungspersönlichkeiten in erfolgskritischen Situationen auf Augenhöhe zur Seite zu stehen und bei diesen auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Genauso wichtig sei aber Demut. Denn ein Kommunikationsberater sei immer Dienstleister, der diskret im Hintergrund für den Erfolg seiner Mandanten arbeitet. Ein guter Berater hinterfrage sich auch kritisch immer selbst und wisse um das, was er nicht weiß. Für diese Facette des Berufs gebe es ein einfaches Rezept: „Man darf sich selbst nicht so wichtig nehmen.“

 

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Generalist trifft Spezialist – So geht Kommunikationsberatung heute!

Über die 2007 gegründete Agentur pioneer communications (früher pioneer PR) sprach Gründer und Managing Partner Alexander Witt mit den Leipziger Public Relations Studenten des LPRS e.V.

Vor 11 Jahren trug die Agentur noch den Namen pioneer PR. Spiegelt diese Entwicklung den Bedarf von Unternehmen an genereller Kommunikationsberatung wider?

Alexander Witt: Man sieht ganz gut an unser eigenen Entwicklung und der vollzogenen Namensveränderung, dass sich die Erwartungen unserer Kunden über die Zeit stark verändert haben. Wir sind damals als „pioneer PR“ gestartet mit einem klaren Fokus auf klassische  Presse- & Medienarbeit und strategische Kommunikationsberatung. Allerdings haben wir schnell gemerkt, dass die Nachfrage auf Kundenseite über das klassische PR-Handwerk immer wieder hinausging. Auf diese Entwicklung haben wir nicht nur mit dem kontinuierlichen Ausbau unseres Beratungs- und Leistungsangebots reagiert, sondern uns dann folgerichtig auch in „pioneer communications“ umbenannt. Mit dieser Namensänderung ging aber auch ein ganz grundlegender Schritt in der Ausrichtung und Entwicklung der Agentur einher. Seitdem haben wir den Anspruch, unsere Kunden möglichst ganzheitlich und über alle Kommunikationsdisziplinen hinweg zu betreuen. Dabei versuchen wir zu jeder Zeit den besten Mix anzubieten und hier und da Elemente ein Stück weit neu zu denken. Das hatte natürlich auch starke Auswirkung darauf, wie wir uns Team quantitativ und qualitativ verstärkt haben.

Inwieweit haben sich die Anforderungen an eine Kommunikationsberatung über die Jahre entwickelt?

Alexander Witt: Ich glaube, die Entwicklung von pioneer communications spiegelt in einigen Bereichen auch die Entwicklung der Branche ganz gut wider. Viele Kunden möchten sich ganzheitlich beraten lassen – Leistungen gebündelt aus einer Hand und von einem verlässlichen Partner erhalten. Das bedeutet natürlich auch, dass Unternehmen und Organisationen eine immer größere Bandbreite an Services und Kommunikationsmaßnahmen erwarten. Agenturen müssen sich somit möglichst breit aufstellen und gleichzeitig tiefe Fachkenntnisse in den einzelnen Fachrichtungen aufweisen.

Heute, 2018, stellt sich pioneer communications als Full-Service-Agentur mit ganzheitlicher Kommunikationsberatung auf. Heißt das, dass sie sich als Agentur eher zu den Generalisten zählen würden?

Alexander Witt: Ich sehe uns eher als eine Community von Generalisten und Spezialisten. Wir sind Beides. Demnach haben wir Mitarbeiter bei uns, die Allgemein- und Spezialwissen gut miteinander vereinen. Eine Full-Service Agentur kann aber nicht nur aus Generalisten bestehen. Es muss ein Zusammenspiel von beidem sein. Denn um ein Kommunikationskonzept erfolgreich zu entwickeln und umzusetzen, benötigt es letztendlich nicht nur Generalisten mit dem nötigen Überblickswissen, sondern auch Spezialisten in jedem einzelnen Bereich der Kommunikation.

Wie beeinflusst diese Marktpositionierung die Struktur der Berater bei pioneer communications? Wie viele Kommunikationsberater sind bei Ihnen Generalisten, und wie viele zählen Sie zu den Spezialisten?

Alexander Witt: Der größte Teil unserer Berater hat ein sehr gutes und breites Grundlagenwissen. Gleichzeitig weisen sie in bestimmten Disziplinen oder auch in bestimmten Branchen ein tiefergehendes Spezialwissen auf. Das hängt zum einen von ihren individuellen Stärken ab und natürlich davon, was ihnen dabei hilft, den Anforderungen ihrer Kunden gerecht zu werden. Ein breites Grundlagenwissen ist extrem hilfreich, gerade wenn man strategisch berät und Kampagnen entwickelt. So muss ein Generalist nicht nur die Räume erkennen, sondern das ganze Haus zimmern können – also aus vielen Einzelelementen die beste Lösung entwickeln. Wenn es dann um die Umsetzung, also die konkrete Ausgestaltung der einzelnen „Räume“ geht, kommt der Spezialist ins Spiel. Das gilt vor allem in Bereichen wie Kreation, Digitalmarketing und Social Media um nur Einige zu nennen. Durch diese Kombination und durch einen systemischen Beratungsansatz versuchen wir, die Anforderungen des Marktes bestmöglich zu bedienen.

Ihre Agentur ist in den letzten 2 Jahren stark gewachsen. Ca. 70 Mitarbeiter verteilt auf 3 Standorte beraten mittlerweile verschiedenste Kunden. Worauf haben Sie in dieser Zeit besonders Wert gelegt bei der Einstellung neuer Kommunikationsexperten: Spezialisten oder Generalisten?

Alexander Witt: Wir haben in erster Linie darauf geachtet, dass neue Mitarbeiter zu unserer Unternehmenskultur passen und unsere Entwicklung verstehen und mitgestalten möchten.  Dabei ist uns gar nicht so wichtig, ob sie schon die gesamte Klaviatur der Kommunikation beherrschen oder nur in bestimmten Bereichen ein gewisses Fachwissen mitbringen. Denn daran arbeiten wir dann auch gemeinsam in unserer internen pioneer Academy. Je nach Fähigkeiten oder auch dem, was wir in der Agentur brauchen, bilden wir selbst aus und versuchen alle Mitarbeiter mit einem guten Überblickswissen auszustatten – also in Richtung Generalist zu entwickeln. Darauf aufbauend geht es darum, Spezialwissen aufzubauen und Experten in ein, zwei oder auch drei Bereichen zu sein.

Wird das auch in Zukunft so bleiben? Mit welcher Entwicklung werden wir zukünftig konfrontiert sein?

Alexander Witt: Ich glaube, das wird sich nicht wesentlich verändern. Man wird weiterhin einen Mix aus Generalisten und Spezialisten haben, gerade bei größeren Agenturen die ganzheitlich beraten. Natürlich wird es Agenturen geben, die sehr spezifisch auf eine bestimmte Branche oder auch auf bestimmte Kanäle beraten werden. Aber auch die werden an bestimmten Stellen Generalisten benötigen.

Was bedeutet diese Entwicklung für Berufsanfänger? Welche Fähigkeiten sollten Kommunikationsberater von Morgen für die Arbeit in einer Agentur mitbringen?

Alexander Witt: Berufseinsteiger sollten ein sehr gutes Grundlagenwissen mitbringen. Das betrifft auch wie man Tools, Techniken und Methoden einsetzt, um sich immer wieder auf neue Situationen einstellen zu können. Sie sollten neugierig und offen für Veränderungen sein. Also auch bereit sein, ständig etwas dazu zu lernen und sich in bestimmten Bereichen neu einzubringen. Denn dass, was heute funktioniert, kann für morgen schon nicht mehr gelten. Darauf muss ich flexibel reagieren und ab und zu zwei Puzzle-Stücke neu kombinieren, um ein besseres Ergebnis zu erhalten.

Interview von Tom Kornblum, 1. Semester Communication Management, LPRS e.V.

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PR-Salon: Issues Management beherrschen.

In hitzigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren – Issues Management auf internationaler Ebene

Heutzutage ist immer häufiger von Krisen die Rede. Der Begriff scheint nahezu in unsere Alltagssprache integriert zu sein. Umso mehr müssen Kommunikationsmanager wie Lars Rosumek den feinen Unterschied zwischen Herausforderungen und Bedrohungen für ein Unternehmen erkennen können. Genau in diese Problematik gab Lars Rosumek, Senior Vice President Communications der Voith GmbH, beim ersten PR-Salon des Jahres am 23. Januar 2018 einen Einblick. Unter der Moderation von Dr. Nils S. Borchers vom Lehrstuhl für Strategische Kommunikation und Lilli Staack, Studentin des dritten Mastersemesters Communication Management, stellte sich Lars Rosumek aufgeschlossen unseren Fragen.

>> International und doch lokal  

Weiß der Kommunikationsexperte aus dem Standort Heidenheim stets über das tagesaktuelle Geschehen in Shanghai Bescheid? Und wie sieht es mit den restlichen  Standorten aus?

Kaum möglich, findet auch Lars Rosumek. Wobei die Kenntnisse über Sprache, Werte, Kulturen und Medienstrukturen für erfolgreiche Kommunikation von zentraler Bedeutung sind. Gerade bei folgenschweren Entscheidungen tragen kulturelle Gemeinsamkeiten, sowie die Sicherheit der Landessprache, zu einer vertrauensvollen Geschäftsbeziehung auf Augenhöhe bei. In Sprachbarrieren beispielsweise, sieht Rosumek eine Hürde.

Voith setzt auf Lokalität – ein Erfolgskonzept! Für das Unternehmen ist es ein bedeutender Vorteil, die Medienstrukturen, politischen Systeme, Branchen und auch die Konkurrenz genau zu kennen. Durch eine starke Vernetzung vor Ort, sind Chancen und Risiken leichter zu erfassen. Das Prinzip der starken Vernetzung beginnt bei Voith bereits in der Raumaufteilung der Büros. Rosumek ist überzeugt von Projektgruppenbildung, die durch räumliche Nähe erleichtert wird.

Aber kommuniziert es sich in der Hydrotechnologienicht ganz anders als in der Papierbranche? Nein, meint Lars Rosumek. Er wünsche sich schließlich in erster Linie Kommunikationsexperten, nicht Produktexperten. Auch wenn oberflächliche Fachkenntnisse unumgänglich sind, liegt der Fokus auf kommunikativen Qualitäten.  

>> Trends: aufspüren, analysieren, anpacken  Am Puls der Zeit: technologische Innovation als Erfolgsgaranten. Früh erkannte Voith Elektromobilität im Nutzfahrzeugmarkt als Chance. In diesem Bereich gelten sie als Pioniere. Auch einen Trend wie Virtual Reality macht sich Voith geschickt zu Nutzen. Seit Längerem setzt Voith beispielsweise spezielle Datenbrillen für Servicemitarbeiter ein. Die Voith-Cloud ist ein nächster Schritt in die digitale Zukunft.

Ein weiterer Gegenstand der Zukunft ist auch Nachhaltigkeit. Gerade dieses Themenfeld ist durch die unterschiedlich nachhaltigen Wirtschaftszweige des Technologieführers spannungsgeladen. Generell strebt Voith jedoch eine nachhaltige Entwicklung seiner Produkte an. Als Unternehmen wollen man „etwas an die Gesellschaft zurückgeben“, betont Rosumek. Ein essentielles Ziel ist es, Unternehmensstandorte für Mitarbeiter so attraktiv wie möglich zu machen. „Wir sitzen in York, nicht in New York!“, meint Rosumek schmunzelnd. Kultur und Bildung seien dem Familienunternehmen zudem seit bereits 150 Jahren ein wichtiges Anliegen.  

>> Eigene Ansichten und die Sicht des Unternehmens  

Als Kommunikationsmanager vertritt man in erster Linie ein Unternehmen und dessen Position. Was jedoch, wenn die eigene Überzeugung einmal abweicht? Eine Haltung zu bestimmten Themen, so Rosumek, ist prinzipiell wichtig für die beratende Funktion seines Berufs. In manchen Situationen entstehen so auch einmal kontroverse Diskussionen.

Zwei Grundprinzipien sind für den Kommunikationsexperten jedoch unanfechtbar: das geltende Recht sowie Ehrlichkeit. Hier fragte das Publikum, ob man sich das Vertreten eigener Ansichten bereits als Berufseinsteiger leisten könne? Dies bejahte Rosumek, schließlich sei die Leidenschaft im Beruf für ihn persönlich ein entscheidendes Erfolgskriterium. Auch Empathievermögen und die Akzeptanz anderer Weltansichten ist für den Arbeitsalltag eines Kommunikationsexperten bedeutsam.  

Es gibt keine Goldene Regel!“, räumt Rosumek ein. „Agieren oder Reagieren“ bleibe eben oft eine Frage des Vertrauens auf Intuition. Während in der einen Situation das frühzeitige Agieren Gold wert ist, empfiehlt es sich in anderen, die Gelassenheit und Ruhe zu bewahren. Bei genau dieser Einschätzung hilft der Kommunikationsabteilung von Voith die stetige Beobachtung von spannungsgeladenen Themen für das Unternehmen. Diese können sich auf verschiedenen Eskalationsstufen bewegen, die höchste davon ist die Krise. Eine Krisensituation definiert Rosumek als existenzielle Bedrohung für Unternehmen, weshalb mit diesem Begriff sparsam umgegangen werden sollte. Nicht zuletzt zeichnet sich eine Krise durch ungeplantes und unverhofftes Auftreten aus, welches viel Spontaneität erfordert. Selbstverständlich können Krisenhandbücher oder Coaching-Maßnahmen jedoch, vor allem bei wiederkehrenden Issues, helfen. Letztlich ist aber in jeder herausfordernden Lage individuelles, zeitiges und situationsbezogenes kommunikatives Handeln gefragt. Als international agierendes Unternehmen sieht sich Voith zusätzlich mit der Herausforderung lokaler Unterschiede konfrontiert. Die Kommunikation richtet sich an verschiedenste Kulturen und Märkte.  

Für diese zukunftsweisenden und interessanten Einblicke in den Berufsalltag des Senior Vice President Group Communications der Voith GmbH & Co. KGaA Lars A. Rosumek bedankt sich der LPRS-Leipziger Public Relations Studenten e.V. sehr herzlich.   

 Text & Fotos: Ida Bandemer und Leonie Beck (1. Fachsemester Kommunikations- und Medienwissenschaft)

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Wir bei Verivox sind wie das Internet: schnell und immer in Bewegung

Nachbericht zum PR-Salon mit Dagmar Ginzel von Verivox

Wie kam Dagmar Ginzel, heute Chief Communications Officer und Mitglied der Geschäftsleitung beim Verbraucherportal Verivox, zur Kommunikation? „Aus reiner Verzweiflung“, sagt die Diplom-Betriebswirtin. Mit diesen Worten startete der erste PR-Salon des Wintersemesters 2017/2018 am 24. November 2017 in der Villa Ida in Leipzig – erstes erheitertes Lachen auf den Publikumsplätzen. Unter der Moderation von Florentina Liefeith, Studentin im dritten Mastersemester Communication Management und Fabian Virgil, Erstsemester aus dem gleichen Studiengang, erzählte Dagmar Ginzel unter anderem von Ihrem beruflichen Werdegang, dem Berufsalltag als Kommunikationschefin und den Besonderheiten des Geschäftsmodells eines Online-Dienstleisters.

>> Bei Verivox wird es niemals langweilig

Weshalb also führt Verzweiflung zur Kommunikation? Vielleicht nicht unbedingt die Antwort, die man sich als angehender PRler wünscht. Alles begann im Jahr 2007, als Ginzel vor der Herausforderung stand, die Marke Verivox quasi ohne Budget bekannt zu machen. Was anfangs aussichtslos schien und sie kurze Zeit verzweifeln lies, entpuppte sich als hochspannende Aufgabe für die toughe Frau – und letztlich, dank PR, machbar. So wurde der Grundstein für ihre Karriere gelegt. Diese Challenges ziehen sich bis heute durch ihre Arbeit und stellen auch den Treibstoff für ihre Arbeit dar. Ob Kommunikation zu Partnern wie Energieversorgern, Austausch mit Vertretern des Verbraucherschutzes oder das Beruhigen eines Shitstorms, der sich am Werbe-Testimonial entfacht hat: Gerade die Abwechslung und Vielfältigkeit macht den Beruf für Ginzel auch nach Jahren noch spannend. „Mir war noch nie langweilig“, gibt sie zu. Auf die Frage, ob sie jemals abschalte, antwortet die Kommunikationsverantwortliche: „Selten. Ich arbeitete fast immer auch im Urlaub. Am besten konnte ich einmal beim Segeln abschalten – und zwar nicht nur, weil es auf dem Meer keinen Empfang gab, sondern weil mir schlicht so unglaublich schlecht war.“

>> Startup-Mentalität im Unternehmen: Testen, messen und nachjustieren.

Ihrem einstigen Tätigkeitsbereich zum Berufseinstieg hat Dagmar Ginzel gerne den Rücken gekehrt: „Marketing ist zwar sehr spannend, aber die Herausforderungen in der Kommunikation, vor allem auch mit den Bereichen Public Affairs und Issues-Management sind deutlich spannender.“ Diese Fokussierung half ihr auf dem Karriereweg. 2012 wurde sie in ihrer Funktion als Kommunikationschefin zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen. „Manche Themen sind einfach so wichtig, die müssen einen kurzen Weg zum CEO haben!“, womit Ginzel eine zentrale aufbauorganisatorische Frage nach der Verortung der Kommunikationsarbeit im Unternehmen beantwortet. Dennoch stellt sie auch eine zunehmende Vermischung zwischen der Kommunikations- und der Marketingfunktion fest, nicht nur bei Verivox.

Heute sind Ginzel 18 Mitarbeiter in der Kommunikationsabteilung unterstellt, die sich in Presse, interne und externe Kommunikation, Public Affairs und Social Media für Verivox und einzelne Töchter gliedern. Dabei hat die Abteilung eine starke Stellung, da sie zusätzlich als interner Dienstleister für das Unternehmen fungiert. Die etwas eigentümliche Aufteilung ist dem schnellen Wachstum von Verivox geschuldet. Zwar ist Verivox kein Startup mehr, aber ein Teil dieses Spirits konnte beibehalten werden. „Wie das Internet ist auch das Unternehmen: wahnsinnig schnell und an den volatilen Markt angepasst“, vergleicht Ginzel. So werden alle Kommunikationsmaßnahmen beständig getestet, gemessen und nachjustiert. Was der Zielerreichung nicht nützt, wird heruntergefahren oder abgeschafft.

>> Auch Kontroversen bringen Aufmerksamkeit

Im Jahr 2012 startete Verivox mit TV-Werbung. Zu diesem Zeitpunkt hatte es der Hauptkonkurrent vor allem über das Fernsehen zu großer Bekanntheit in Deutschland gebracht. Während die Vorteile von Verivox anfangs noch von einem ‚Schlautier’ namens Frank präsentiert wurden, sorgten bald die Familie Geiss und heute Mario Barth für Reichweite. Diese Testimonials brachten die nötige Aufmerksamkeit mit sich – trotz öffentlich geführter Kontroversen um ihre Personen. Auch Dagmar Ginzel musste anfängliche Bedenken, Verivox könnte in der Folge nicht mehr als ausreichend seriös in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, revidieren: „Das hat super funktioniert und die Zusammenarbeit ist extrem professionell.“

>> Schnelligkeit, journalistische Grundkenntnisse und Zahlenaffinität sind gefragt

Bezüglich eines Berufseinstiegs bei einem Online-Portal wie Verivox komme es für Kommunikatoren vor allem darauf an, schnell zu sein und das Handwerk zu beherrschen. So seien etwa journalistische Grundkenntnisse wichtig. Auch eine gewisse Zahlenaffinität sei in der Arbeit bei dem Vergleichsportal unerlässlich. Aufgrund des umfangreichen Anforderungsprofils geben sich die Verantwortlichen bei Verivox große Mühe bei der Bewerberauswahl: „Die müssen die wichtigen Themen richtig beherrschen und auch bereit sein, sich ihre Lorbeeren zu verdienen!“ Wer sich bewirbt, darf zunächst ein Konzept entwerfen und vor Ginzel und den Geschäftsführern oder sogar dem CEO präsentieren.

Jungen Absolventen rät Ginzel: „Sie müssen jetzt noch nicht den ganzen Lebensweg durchplanen. Probieren Sie sich aus und lassen Sie sich auf Dinge ein.“ Wichtig sei, dass es wirklich Spaß mache, sonst ginge es auf Dauer nicht. Auch die Kommunikationschefin selbst will nicht stehenbleiben: „Egal, was ich beruflich mache: Ich will weiter Pionierarbeit leisten und etwas aufbauen.“

 

Der LPRS – Leipziger Public Relations Studenten e.V. bedankt sich herzlich bei Dagmar Ginzel für spannende Einblicke in den Berufsalltag eines Chief Communication Officers bei einem Online-Portal.

Text: Göran Kügler & Jan Reinholz (beide 3. Fachsemester Communication Management)

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