Was macht eigentlich gute Beratung aus? Welche Rolle spielt Führung? Welche Eigenschaften und Skills braucht ein Kommunikationsberater in der Praxis? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gab Helge Hoffmeister, Managing Partner bei GAULY ADVISORS, beim ersten PR-Salon des Jahres am 16. Januar. Nach seinem Medienmanagement-Studium arbeitete Hoffmeister mehr als 10 Jahre in der Unternehmenskommunikation bei Bertelsmann. 2012 ging er zu Gauly Advisors. Beim Kamingespräch in der Villa Ida gab er uns LPRS-Mitgliedern Tipps zu Themen wie Leadership, Reputationsmanagement und eine erfolgreiche Karriere in der Kommunikation

 

 

  • Führung und Kommunikation bedingen einander.

 

Führung und Kommunikation im Unternehmen gehören für Hoffmeister zusammen: Wer gut führen will, müsse gut kommunizieren können, und Kommunikation als strategische Managementaufgabe werde für Führungskräfte immer wichtiger. Im operativen Management genauso wie in der strategischen Führung sei eine gut geplante und exzellent umgesetzte Kommunikation essentiell, um Wert für interne wie externe Stakeholder zu schaffen.

 

 

  • Sorge dafür, dass deine Mitarbeiter zufrieden sind.

 

Reputation wird von innen nach außen aufgebaut. Für Hoffmeister ist daher Mitarbeiterzufriedenheit ein Schlüssel für Identifikation, Motivation und schlussendlich Unternehmenserfolg durch erfolgreiche Strategieumsetzung. Eine werteorientierte Unternehmenskultur mit einer guten dialogorientierten internen Kommunikation bildeten hierfür den Rahmen. Flache Hierarchien, partnerschaftlicher Umgang und Delegation von Verantwortung seien ebenfalls wichtige Faktoren. Tendenziell seien diesbzgl. kleine Einheiten im Vorteil. Auch wenn es in einer Kommunikationsberatung nicht immer möglich ist, jedem Mitarbeiter eine flexible Arbeitszeitgestaltung zu bieten, sei es wichtig, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und Freiräume zu schaffen. Denn, so Hoffmeister: Arbeitszeit ist Lebenszeit, und private Zufriedenheit sei ein wichtiger Schlüssel für Leistungsfähigkeit im Job.

 

 

  • Analytisches Denken, Kreativität und Medienkontakte sind das Erfolgsrezept.

 

Dass die Statistik in der Wissenschaft unabdingbar ist, steht außer Frage. Aber sind Regressionsanalyse & Co. auch in der Praxis wichtig? Hoffmeister outet sich als Fan empirischer Sozialforschung und beantwortet diese Frage mit einem klaren „Ja“. Auch das Verfassen von Kernbotschaften folge beispielsweise denselben Gütekriterien wie die Erstellung eines guten Kategoriensystems für eine Inhaltsanalyse. Konzeptionelles und analytisches Denken würden in der Befassung mit qualitativen und quantitativen Erhebungs- und Analyseverfahren besonders geschult. Dies seien wesentliche Voraussetzungen für gute Beratung. Aber auch ein hohes Maß an Kreativität sei erforderlich, um wirkungsvolle Strategien erfolgreich zu entwickeln und umzusetzen, genauso wie ein verlässliches Journalistennetzwerk und die Fähigkeit, integer und vertrauensvoll mit Medien zusammenzuarbeiten.

 

 

  • Digital in der Denke, analog in den Werten.

 

Die Digitalisierung wälzt die gesamte Unternehmenskommunikation um, was Arbeitsweisen, Aufgaben und Instrumente angeht. Auch die Kommunikationsberatung verändere sich im Zuge der digitalen Transformation, so Hoffmeister. Neben dem Einsatz von digitalen Analysetools oder der Berücksichtigung digitaler Plattformen und neuer Kanäle für die Kommunikation sei es zum Beispiel auch wichtig, dass eine Beratung agiles Projektmanagement oder Moderationstechniken zur Co-Kreation von Inhalten beherrsche. Aber im Kern einer erfolgreichen Beratungsbeziehung stehe auch in Zukunft ein sehr analoger Wert: Vertrauen.

 

 

  • Sich selbst nicht so wichtig nehmen.

 

Um auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf zu bewahren, bedarf es einiger Berufserfahrung. Die hat Hoffmeister nach fast 20 Jahren in Unternehmen und Beratung. Doch was ist eigentlich ausschlaggebend, um nach einer Konzerntätigkeit auch als Berater erfolgreich zu sein? Seine Meinung dazu teilt Hoffmeister ganz offen: Mut und Demut seien gleichermaßen wichtig. Mut, unternehmerische Risiken einzugehen und etwas Neues zu wagen, denn Gauly Advisors befand sich mit erst wenigen Mitarbeitern noch in der Gründungsphase, als Hoffmeister 2012 von Bertelsmann dazustieß. Mut auch, Führungspersönlichkeiten in erfolgskritischen Situationen auf Augenhöhe zur Seite zu stehen und bei diesen auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Genauso wichtig sei aber Demut. Denn ein Kommunikationsberater sei immer Dienstleister, der diskret im Hintergrund für den Erfolg seiner Mandanten arbeitet. Ein guter Berater hinterfrage sich auch kritisch immer selbst und wisse um das, was er nicht weiß. Für diese Facette des Berufs gebe es ein einfaches Rezept: „Man darf sich selbst nicht so wichtig nehmen.“