Zum Jahresauftakt gab es am 13. Januar in Kooperation mit der Deutschen Public Relations Gesellschaft e. V. (DPRG) ein spannendes Format zu einem Thema, das in den kommenden Monaten oder Jahren viele umtreiben dürfte: Wie starte ich ins Berufsleben? Wie bekomme ich meinen ersten Job? Was wird von mir erwartet? Mit Impulsvorträgen und einer anschließenden Diskussionsrunde standen Marie Friedrich (HR-Expertin) und Thomas Lüdecke (Managing Partner, PRCC Personal- und Unternehmensberatung GmbH) interessierten Mitgliedern und weiteren Young Professionals Rede und Antwort.
Wenn das Ende des Studiums naht, scheint es die Frage aller Fragen zu sein: Wie bekomme ich denn nun den sprichwörtlichen Fuß in die Tür der Kommunikationsbranche? Wo und vor allem wie steige ich ins Berufsleben ein? Was zunächst leicht klingt, entpuppt sich in der Realität oft als Herausforderung, die viele Unsicherheiten und Fragen mit sich bringt.
Deswegen haben wir im Folgenden zehn zentrale Erkenntnisse aus den Schilderungen von Marie – HR-Expertin – und Thomas – ausgewiesener Kenner der Kommunikationsbranche – zusammengefasst:
1. Kommunikation ist kein klar umrissenes Berufsfeld mehr
Das klassische Berufsbild – etwa der/die Pressesprecher:in – verliert in vielen Organisationen an Bedeutung oder wird neu interpretiert. Kommunikationsrollen sind heute sehr unterschiedlich zugeschnitten, stark kontextabhängig (Unternehmensgröße, Branche, Strategie) und oft deutlich breiter angelegt als früher, etwa in den Bereichen Transformation, Nachhaltigkeit, HR oder interne Kommunikation. Der gleiche Jobtitel bedeutet längst nicht mehr die gleichen Aufgaben.
2. Stellenprofile in der Kommunikation verändern sich dynamisch
Praxisbeispiele zeigen, dass langjährig etablierte Rollen (z. B. Head of Media Relations) teilweise nicht mehr nachbesetzt werden. Gleichzeitig entstehen neue Schwerpunkte, etwa in den Bereichen Public Affairs oder Change- und Transformationskommunikation. Kommunikationsaufgaben werden zunehmend integriert und sind seltener isoliert. Wer in die Branche einsteigt, muss mit wandelnden Rollenprofilen rechnen.
3. Kommunikation gewinnt in neuen Kontexten an Bedeutung
Kommunikation ist heute oft auch dort relevant, wo sie früher kaum existierte und der Bedeutungszuwachs zeigt sich an vielen Stellen: Familienunternehmen betrachten Kommunikation zunehmend als relevant, es gibt steigende Investitionen in professionelle Kommunikationsstrukturen und Public Affairs Abteilungen und Positionen für politische Kommunikation werden ausgebaut. Außerdem spielt Kommunikation eine wachsende Rolle bei der Transformation und im Kulturwandel.
4. Der Wertbeitrag von Kommunikation wird stärker hinterfragt
Unternehmen stellen zunehmend grundlegende Fragen: Wofür brauchen wir Kommunikation? Welchen konkreten Beitrag leistet sie zum Unternehmenserfolg? Und wie lässt sich dieser messen? Kommunikationsprofis müssen ihren Wertbeitrag heute argumentativ und strategisch erklären können.
5. Flexibilität und Lernbereitschaft sind zentrale Karrierekompetenzen
Erfolgreich in der Kommunikationsbranche ist, wer bereit ist, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, neue Themenfelder anzunehmen und bestehende Annahmen regelmäßig zu hinterfragen. Kommunikation ist kein „fertig gelerntes“ Berufsfeld, sondern ein lebenslanger Lernprozess mit immer neuen Herausforderungen und Chancen.
6. Berufseinstieg: Orientierung vor Perfektion
Der erste Job muss nicht der „Traumjob“ sein. Orientierung entsteht vor allem durch Praxiserfahrungen und persönliche Präferenzen und nicht durch perfekte Planung. Praktika, Werkstudententätigkeiten und erste Jobs liefern wertvolle Hinweise auf eigene Interessen und Stärken. Karrieren verlaufen selten geradlinig und das ist auch völlig normal!
7. Spezialisierung entsteht meist im Job, nicht im Studium
Viele erfolgreiche Kommunikationskarrieren zeigen, dass sich Spezialisierungen häufig erst im Berufsleben entwickeln. Kommunikationsstudiengänge bilden eher breit aus. Quereinstiege – etwa aus Naturwissenschaften, Technik oder Mathematik – können in Kombination mit Kommunikationskompetenz sogar ein Vorteil sein. Offenheit schlägt hier eine frühzeitige Festlegung.
8. Netzwerke sind entscheidend – auch und gerade am Anfang
Viele Jobs entstehen durch persönliche Kontakte, frühere Kolleg:innen oder informelle Gespräche. Deshalb lohnt es sich, Veranstaltungen aktiv zu nutzen, persönliche Anfragen zu stellen und Netzwerken als ein Geben und Nehmen zu verstehen. Beziehungsmanagement ist unser täglich Brot – auch schon vor dem ersten Job. 😉
9. Bewerbungen: klar, relevant und authentisch
Wichtiger als ein auffälliges Design sind Klarheit und Übersichtlichkeit im Lebenslauf sowie ein klarer Bezug zur ausgeschriebenen Rolle. Stellenprofile müssen dabei nicht zu 100 Prozent erfüllt sein: Erwartungshaltungen an Berufseinsteiger:innen sind geringer, und Anforderungsprofile enthalten oft mehr Wunsch als Realität. Bewerbungen auf nicht perfekt passende Stellen können zu überraschenden Gesprächen führen und sind in jedem Fall ein wertvolles Learning.
Anschreiben sind dann sinnvoll, wenn sie individuell und präzise formuliert sind. Ebenso wichtig ist eine gute Vorbereitung auf Gespräche: Informationen zum Unternehmen, Einblicke in die Kommunikation auf verschiedenen Kanälen und vorbereitete Fragen gehören dazu. Keine Rückfragen zu stellen, wirkt unvorbereitet. Auch das Setting zählt – funktionierende Technik und ein professionelles Setup sind oft wichtiger als das perfekte Outfit.
10. Gehalt: informiert, realistisch und vorbereitet sein
Für Berufseinsteiger:innen empfiehlt es sich, Gehaltsspannen statt fixer Mindestbeträge zu nennen und sich vorab gut zu informieren, etwa über Plattformen oder im Austausch mit anderen. Gerade zum Einstieg kann es sinnvoll sein, das Gehalt nicht als einziges Entscheidungskriterium zu betrachten. Langfristig sind die Lernkurve und Entwicklungschancen oft wertvoller als das Einstiegsgehalt.
Das Panel wurde in Kooperation mit der DPRG e. V. veranstaltet. Wir danken Nina Höhler und Jenny Köhler für die gemeinsame Organisation und Vorbereitung der Veranstaltung sowie den Speaker:innen für ihre wertvollen Impulse!





